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Pressemitteilungen

Mehr politischer Rückenwind für Fairen Handel

Anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft und auf Einladung des Forum Fairer Handel und des Fair Trade Advocacy Büro in Brüssel diskutierten Vertreter des Fairen Handels mit Frithjof Schmidt (Mitglied des Europäischen Parlaments) und Evita Schmieg (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) am Montag in Berlin über die Möglichkeiten den Fairen Handel in Deutschland und auf europäischer Ebene politisch besser zu unterstützen.

Berlin/Mainz, 01.02.2007. Gerardo Arias Camacho, Präsident der Kooperative Llano Bonito in Costa Rica, machte die große Bedeutung des Fairen Handels für die Kleinproduzenten der Kooperative deutlich: "Unsere Kinder können zur Schule gehen. Dank des fairen Preises stellt unsere Kooperative Stipendien für weiterführende Schulen und sogar für die Universität zur Verfügung." Mit Unterstützung des Fairen Handels konnte außerdem die Qualität des Kaffees verbessert werden. Auch wurde die Produktion ökologischer: Durch die Anschaffung von zwei neuartigen Öfen zum Trocknen der Kaffeebohnen kann nun auf Feuerholz aus dem Regenwald komplett verzichtet werden. Schließlich werden die Kaffeebauern unterstützt beim Anbau von Avocadobäumen. Sie dienen als Schattenspender für die Kaffeepflanzen, ermöglichen aber auch eine zusätzliche Einnahmequelle.

"Wir wollen unseren Kaffee nachhaltig produzieren, aber wie soll das möglich sein, wenn wir keinen nachhaltigen Preis für unseren Kaffee bekommen?" fragte Arias Camacho. Er ist davon überzeugt, neben sozial- und umweltverträglich müsse die Produktion auch wirtschaftlich rentabel für die Kleinbauern sein. Tatsächlich haben Kleinbauern jahrelang ihren Kaffee unter Wert verkaufen müssen, die Weltmarktpreise lagen deutlich unter den Produktionskosten. "Kostendeckende Mindestpreise garantiert uns nur der Faire Handel", so der Kleinproduzent. Ohne die Zusammenarbeit mit Fair Handels-Organisationen hätte seine Kooperative die Tiefpreisphase im Weltkaffeehandel nicht überstehen können. Er hofft auf ein weiteres Wachstum des Fairen Handels, damit noch mehr Kleinbauernzusammenschlüsse davon profitieren können.

Zweistellige Wachstumsraten im Jahr stehen für den Erfolg und ein zunehmendes Interesse am Fairen Handel in Deutschland. Aber der Faire Handel will weiter wachsen: mehr Produzenten sollen unter fairen Bedingungen ihre Produkte verkaufen können, mehr Unternehmen sollen sich am Fairen Handel beteiligen. "800 Weltläden in Deutschland sind zu wenig", sagte Thomas Speck, Geschäftsführer des größten europäischen Fair Handelshauses gepa,"2.000 sind mit entsprechender Unterstützung denkbar."

Um dies zu erreichen, ist auch die Politik gefragt. Das Europäische Parlament hat im Juli vergangenen Jahres eine Entschließung verabschiedet, die konkrete Maßnahmen zur Förderung des Fairen Handels vorschlägt. Darin  wird z. B. gefordert, dass ein Teil der Mittel, die die EU Entwicklungsländern als "Aid for Trade" bereit stellt, für die Förderung von Fairem Handel eingesetzt wird, so zu sagen als "Aid for Fair Trade". Frithjof Schmidt sieht den Fairen Handel als Erfolgsmodell, wie nachhaltiges Wirtschaften und Handeln möglich ist, und wünscht sich entsprechend eine stärkere europäische Förderung. Eine wichtige Unterstützung hierfür wäre aus seiner Sicht eine Empfehlung der Europäischen Union, die Klarheit schafft, was das Prädikat "Fairer Handel" verdient. Frithjof Schmidt warnte gleichzeitig vor einer Überregulierung, denn dies könnte gerade für kleine und mittlere Produzenten neue bürokratische Hürden darstellen.

Evita Schmieg würdigte den Beitrag des Fairen Handels zur Armutsbekämpfung und die wichtige Rolle, die der Faire Handel in der entwicklungs politischen Bildungsarbeit spielt. Der Faire Handel habe darüber hinaus viele wichtige Diskussionen angestoßen, z. B. zu  Unternehmensverantwortung (CSR) oder zu den ILO-Kernarbeitsnormen. "Ohne den Fairen Handel wären viele Entwicklungen nicht möglich gewesen", so die BMZ-Vertreterin. In Deutschland unterstützt die Bundesregierung den Fairen Handel bereits. Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft wolle sie nun versuchen, den Fairen Handel auch auf europäischer Ebene noch stärker zu thematisieren.

Weitere Informationen finden Sie unter www.fairtrade-advocacy.org und www.forum-fairer-handel.de

Das Forum Fairer Handel ist das Netzwerk von Organisationen und Akteuren des Fairen Handels in Deutschland. Es koordiniert die Aktivitäten des Fairen Handels in Deutschland. Ziel ist es, gemeinsame Forderungen gegenüber Politik und Handel durchzusetzen und eine stärkere Ausweitung des Fairen Handels zu erreichen.

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